Artur – Hammelkrankheit


von Russophilus  am 6. Oktober 2017

Anbei eine neue Übersetzung von Artur. Es handelt sich um einen Text eines anonymen Autors aus dem russischen Blog „Alternativa“ (Quelle)
Der ursprüngliche Kontext ist ein anderer, aber man läge gewiss nicht verkehrt, den Artikel auch im Bezug zu unserem Land zu lesen

Die Hammelkrankheit, oder wie man aus Menschen Vieh macht

Bitte sagen Sie mir nicht, dass die Gesellschaft nicht nur aus Hammeln bestehen kann.

Denn sie kann es, wenn man es denn wirklich darauf anlegt; eine Herde ist schließlich auch eine Gesellschaftsform. Allerdings mit Hammeln. Um Menschen in Hammel zu verwandeln, muss man den Verblödungsprozess der Gesellschaft gekonnt organisieren und an den sichtbarsten Plätzen Hammel zum Imitieren platzieren. Zwischen diesen sollte eine innerartliche Konkurrenz bestehen, mit Auszahlung von Boni als Ansporn. So werden die Hammel untereinander um den Ehrentitel des größten Hammels in der Wirtschaft, in der Politologie, des ehrlichsten oder aktivsten Hammels im Kampf gegen das Böse konkurrieren; sie alle werden rummähen und eine einzig richtige öffentliche Meinung schaffen. Das war’s. Nach ein paar Jahren wird sich das Land mit ein paar wenigen Ausnahmen in eine blökende Horde verwandelt haben.

Alles ist sehr einfach. Erinnern Sie sich, mit welcher Hingabe Tausende Ukrainer unter dem Singsang „kto ne skatschet, tot moskal“ [AdÜ.: „wer nicht mitspringt, ist Moskowiter“; auf dem Maidan] rumhüpften? Um diese Masse zum Springen zu bewegen, musste man in diese nur ein Dutzend „Darsteller“ einschleusen, welche dann die Menge animierten. Derjenige, der diese Technologie entwickelte, kannte die Psychologie des Menschen hervorragend, genauer sein tiefes, tierisches Wesen. Stellen Sie sich auf dem Euromaidan vor, und Sie werden sich als kompletten Idioten empfinden… wenn Sie nicht wie alle anderen mithüpfen.

Von der Seite und mit nüchternem Verstand betrachtet sieht der ukrainische Rummel vollkommen verrückt aus. Aber diejenigen, welche schon lange in der verzerrten ukrainischen Realität leben, wundern sich über nichts mehr. Selbst wenn bei Ukrainern ein Grund zur Unruhe vorkommen sollte, so doch nur aufgrund einer verringerten Futterbasis. In diesem Moment kommt seine Majestät, der Fernseher, ins Spiel, aus welchem ein und die selben Gesichter immerwährenden Schwachsinn verzapfen, wie bald doch das glückliche Morgen eintreten wird. Die Hammel warten. Was sollen sie auch sonst tun?

Als Außenstehender ist es einfach, über die Verstandestrübung der Ukrainer zu erzählen. Leider hängt hier jedoch nichts von einfachen Leuten ab; sie wurden Opfer eines teuflischen Experiments zur Verwandlung eines Volkes in Biomasse. Wahrscheinlich sind irgendwo noch normale Menschen vorhanden, aber sie sind nicht zu sehen. Sie wurden eingeschüchtert und in der Informationssphäre „ausgeschaltet“, alle und überall ersetzt durch Hammel. Dabei wurden jedem dieser Tiere Namen voller Pathos verliehen: Patriot, Experte, Ökonom, Ehrenämtler, Aktivist, Kämpfer gegen die Korruption…

Erinnern Sie sich wenigstens an die Journalistin, heute Volksabgeordnete Tatjana Tschernowol. Es ist für den Verstand nicht zu erfassen, aufgrund welcher Taten diese Bürgerin 2015 in die TOP-100 der weltweit größten Denker laut der US-amerikanischen Zeitschrift „Foreign Policy“ [AdÜ.: „Außenpolitik“] aufgenommen wurde. Zudem hat es niemanden gestört, dass Tschernowol als Patientin einer psychiatrischen Klinik gelistet war. Eine große Denkerin! Und Witali Portnikow kennen sie sicherlich gut [AdÜ.: pro-westlicher „Journalist“]. Die „goldene Feder“ der Ukraine! Heute ist er der unübertroffene Experte zu jeder Frage; er lehrt, erörtert und moralisiert. Wer wird schon behaupten, dass er eine Niete ist, welche kompletten Schwachsinn verbreitet? Niemand. Und wie viele weitere solcher Tschernowols, Portnikows, Schkirjakows, Geraschenkos und niemandem bekannte Facebook-Experten es gibt, welche tagtäglich die Hirne der Ukrainer zuscheißen! Eben sie bestimmen das, was die Menschen zu diesem oder zu jenem Thema denken werden.

Die Ukrainer hören all diese Hammel und wissen nicht, was sie tun sollen. Was soll man hier tun, wenn das System selbst gegen sie selbst gerichtet ist? Wären sie in einem anderen Land geboren, mit einem anderen Kaderwahlprinzip, und sie wären normale Menschen. Sie haben einfach Pech gehabt… Übrigens, das war nur ein Witz. Frankreich z.B. hat den Emporkömmling Macron gewählt. Für welche Verdienste wurde diese junge Geistesgabe nochmal Präsident? Welches Programm hat er? Was wird er tun? Unwichtig! Den Franzosen wurde die Meinung vorgegeben, dass Marine Le Pen ein Nazi ist. Warum eigentlich? Auch hier ist das völlig unwichtig. Es reicht eine Eitkette aus, und die Hammelhorde wird denken, sie ist ein Nazi. Dir gefällt der unkontrollierte Zufluss von Migranten nicht, oder gleichgeschlechtliche Ehen? Dann gefällt dir also Hitler. Du Faschist. Die Technologien funktionieren ohne Ausnahme hier und überall.

Vor vierzig Jahren konnte kaum ein US-Amerikaner sich vorstellen, dass der Präsident der USA ein „Afroamerikaner“ werden wird. Allerdings hat sich Hollywood extra darum bemüht. Ein Film nach dem anderen über gute Afroamerikaner tauchte auf, und nach 20 Jahren stimmte unter anderem das „weiße Amerika“ für Barack Obama. Was ist hier schon dabei? Eigentlich nichts… Einfache Technologien. Und es gibt auch keine konkreten Vorwürfe an den Afroamerikaner Barack Obama.

Danach rollte im westlichen Filmgeschäft eine Welle zur „schwulen“ Thematik an. Zuerst schockierte den Zuschauer der Kontakt zu solchen Themen, und danach gewöhnte er sich daran. Besonders gelungen ist der französische Film „Ein Mann sieht rosa“, in welchem der Macho Gérard Depardieu als Resultat komischer Kollisionen begreift, dass er schwul ist. Vielleicht bin ich ja… Viele haben sich diese humorvolle Komödie angesehen und sagten sich: was ist schon dabei? Nach 10 Jahren rollte eine Legalisierungswelle für gleichgeschlechtliche Ehen über die ganze Welt. Morgen werden die Kinomenschen einen Film über die berührende Liebe eines sexuell Perversen zu einem Kind drehen, und die Gesellschaft wird die Pädophilie als Norm akzeptieren. Und wieder wird das Volk sich selber sagen: was ist schon dabei? Das Verständnis der Norm kann beim Menschen verändert werden, man muss nur eine Sammlung von Instrumenten besitzen, welche von allen Seiten auf einen Punkt einschlagen.

Diese Technologie erfuhren die Ukrainer an eigener Haut, als sie mit Bandera-Anhängern „gleichgestellt“ wurden, also mit Sadisten und Mördern. Und die Ukrainer begannen zu glauben, dass sie eine andere Geschichte und andere Helden haben können. Sollen sie doch nach ihren eigenen Regeln leben, und wir tun das nach unseren… Wie witzig war es doch, das Lwiwer Restaurant „Krajiwka“ zu betreten und den bedienenden Kellner in der Aufmachung eines Bandera-Anhängers zu betrachten. Menü? Aufmachung? Passwort? Wie hässlich doch diese Bandera-Anhänger waren! Und dann, während und nach dem „Euromaidan“ hörten plötzlich alle auf zu lachen… Man darf nicht mit dem Bösen spielen. Man darf das Böse nicht hinter politisch korrekten Formulierungen verstecken, ansonsten wird das Böse nicht als solches erkannt. Und danach wird es wiederkehren und alle in Blut baden. Das ist unausweichlich; das Beispiel Ukraine veranschaulicht es gut.

Als Grund zum Verfassen dieses Materials dienten zwei Sichtweisen, welche bei Russländern verbreitet sind. Es gibt diejenigen, die denken, dass die Ukrainer fast schon auf genetischem Niveau Hammel sind. Das ist nicht wahr. In so einem Fall, warum leiden dann nicht die Millionen von Ukrainern, welche zu Staatsbürgern Russlands wurden, an der Hammelkrankheit? Vielleicht denkt jemand, es wäre nicht leicht, aus Russländern Hammel zu machen? Es ist einfach. Dafür muss man vorläufig die russländische Elite bereinigen, und im Fernsehen 24 Stunden am Tag Ganapolski, Nawalny, Sobtschak und andere zeigen. Wenn die Mehrheit der Russländer heute einen klaren Kopf behalten, so ist das nicht ihr Verdienst, sondern jemandes hartes Bemühen.

Die andere Sichtweise lässt sich dermaßen zusammenfassen, dass man die Ukrainer nicht beleidigen darf, indem man die ganze Wahrheit über ihre „hammelische“ Krankheit schreibt. Sicher, lasst die Ukrainer denken, dass mit ihrem Kopf alles in Ordnung ist. Lasst uns fortsetzen, ihnen Geschichten zu erzählen, wie großartig und freiheitsliebend sie sind… Waren. Irgendwann mal. Bis zu dem Moment, wo ihnen die Hammel über die ukrainische Großartigkeit erzählten. Zum Menschsein müssen die Ukrainer schlussendlich erst wieder zurückkehren; und dafür muss man die Wahrheit erzählen, ohne Häme und Hass. Mit der ruhigen Gewissheit eines heilenden Arztes.