Dies und Das – die katalonische Granate [Update]


von Russophilus  am 2. Oktober 2017

Vorab: Ich beziehe nicht Position in der Frage spanien vs. Katalonien per se, noch interessiert sie mich sonderlich. Soweit ich es sehen kann, haben beide reichlich Dreck am Stecken. Mein Interesse beschränkt sich auf den größeren Kontext, insbesondere den eu Kontext sowie auf den Hintergrund.

Zunächst mal ist wie so oft die geographische Situation zu sehen. Katalonien ist eine der beiden nutzbaren „Landbrücken“ zum Rest des Kontinents. Das Baskenland ist die andere. Würde spanien die Bestrebungen Kataloniens zulassen, so würde auch im Baskenland bald die Forderung nach einem eigenen Staat laut und am Ende wäre spanien von eu-ropa abgeschnitten. Dass beide Regionen seit Jahrhunderten und auch heute noch enge Anbindungen an das südliche frankreich haben, macht es auch nicht gerade verdaulicher für madrid.

Wer verstehen will, der muss aus verschiedenen Perspektiven schauen und auch das eben noch denkbare Extrem als Möglichkeit erwägen. In diesem Fall wäre das ein neuer und gar nicht kleiner oder schwacher Staat, im Kern bestehend aus Katalonien, Baskenland sowie den entsprechenden Gegenstücken im Süden frankreichs. Ein schwaches spanien kann das nicht wollen und ein traditionell zu Überheblichkeit neigendes, aber durchaus nicht mehr starkes frankreich kann das auch nicht wollen, auch wenn man sich einstweilen noch ignorant dümmlich (eine Spezialität macrons…) als dreiviertel-Großmacht sieht. Ergo: Wehret den Anfängen.

„Lustig“ übrigens, dass das Baskenland bereits erheblich mehr Autonomie hat als Katalonien, dem man das in aller Härte bis hin zur Brutalität verweigert. Um meine auf manche vielleicht abstrus wirkende End-Situation aber auch die ganze Sache als solche besser einordnen zu können, muss man den Kontext sehen, der in diesem Fall bis ins Globale reicht.
So betrachtet, ist die causa Catalonia lediglich ein bisschen lokale Asche und Lava eines gewaltigen „Feuerrings“ von Vulkanen und – die Analogie ist einfach zu hübsch und sinnreich, als dass ich widerstehen könnte – größeren Magmabewegungen und Verwerfungen unter der dünnen Erdkruste.

Erst aber will ich noch auf einen anderen hübschen (für uns. Für die eu zionisten weniger) Umstand hinweisen.
„Menschen einer Region tun sich zusammen, wollen ein Referendum machen und sich als Region vom Land loslösen“, picobello legal übrigens und wie aus dem Lehrbuch der demokratie – kennen wir doch, nicht wahr? Das ist doch genau die Grundstruktur der, oh so bösen, verwerflichen, illegalen, teuflischen und bestimmt auch irgendwie kommunistischen Vorgänge seinerzeit auf der Krim.
Man *konnte* das katalonische Referendum nicht zulassen denn, hätte man es getan, hätte man zugleich das Krim-Referendum und dessen Konsequenzen für doch nicht illegal erklärt: Nach einem erlaubten katalonischen Referendum wäre der gesamte Anklage- und Vorwurfskomplex gegen Russland und die Krim in sich zusammengefallen; die Parallelen wären sogar für politisch nicht sonderlich gebildete Bürger einfach zu offensichtlich gewesen. Entsprechend erheiternd auch die russische Stellungnahme zu Katalonien: Keine, bzw „das ist eine innere Angelegenheit spaniens. Dazu haben wir nichts zu sagen“.
Die Brutalität des spanischen Vorgehens, das nur als Randanmerkung, braucht sich übrigens nicht hinter der ukrostans verstecken; zum Bild des supi-demokratischen rechtsstaatlichen blabla werte-westens passt das nicht so recht…
Übrigens, auch das ist zu sehen: Die Pandorabüchse, dass Katalonien andere Regionen in ganz eu-ropa folgen, wollte man um jeden Preis geschlossen halten.

Was ist der große, ja globale Kontext, den ich eben angesprochen hatte? Es ist das, was sich global als das ausdrückt, was Putin die „unipolare Welt“ genannt hat.
Hierbei ist es wichtig zu sehen, dass die globale Erscheinung, im wesentlichen repräsentiert, kontrolliert und erzwungen vom (Ex-)Hegemon usppa, sich *naturgemäß* wie eine Welle durch die gesamte Hierarchie bis nach unten ausbreitet. Und: Das funktioniert natürlich auch bei der Auflösung bzw. beim Zerfall so.

Eine nächst-niedrigere Ebene dieser im wahrsten Sinn unmenschlichen Plage ist die zeitweise als Konkurrent verkleidete eu. Danach folgt die nationale Ebene und dieser folgt die regionale Ebene.
Was aber sind die treibenden Kräfte und was sind die Magmaströme? Die Natur natürlich. Denn, auch wenn das Dank reichlich Propaganda, „Aufklärung“, „Humanismus“ usw. bis ins nicht mehr sichtbar Sein übertüncht wurde, das absolute Basis-Element jedweder Gesellschaft ist nunmal der Mensch. Und dieser ist, wie wir leidvoll erleben mussten, zwar erschreckend manipulierbar, aber er ist auch komplexer und beständiger in manchem als den Manipulateuren lieb sein kann.

So ist z.B. die „ich, meine Familie, mein näheres Umfeld, meine Region/Heimat“ bis hin zu „die Anderen“ Sicht weit haltbarer im Menschen verankert als man in Zeiten der modernen Biologie, soziologie und psychologie glauben möchte. Spätestens das Thema „flüchtlinge“ führt uns das deutlich vor.
Aber es geht noch viel tiefer, es ist noch viel grundlegender, das Problem, die Divergenz zwischen der wirklichen und natürlichen(!) Welt und der Pseudowelt, dem künstlichen Konstrukt der ewitschi. Deren Pseudowelt ist eine von oben diktierte, manipulierte und bestimmte; die wirkliche Welt aber – das zeigt sich in der gesamten Natur bis in die kosmische Ebene – ist eine von unten ausgehende und ruhende, eine, in der viele Kleinere etwas Größeres bilden. Die Qualität und die Kraft des Großen ist durch (mehr als die) Summe der kleineren Elemente bestimmt (wobei das ‚mehr als‘ die Bedeutung von „mehr als die Summe der Einzelteile“ hat).

Ich möchte diese Divergenz noch an einem besonders hässlichen und deutlichen Beispiel aufzeigen. Die Einzelnen, die Untergruppen, bis zu den Menschen selbst, waren/sind im zio-ami System nichts als bedeutungslose Unterherden und Herdenviecher. Sie nach Belieben zu manipulieren, umzuschichten, umzuformen und natürlich auszuplündern ist ultima ratio und einzige wirklich wesentliche Maßgabe. Relevant für eine Region z.B. sind nicht deren Gesänge, Gebräuche, Eigenheiten (die ja nahezu immer durch die jeweilige Umwelt bestimmt sind und in enger Beziehung und Wechselwirkung dazu stehen), Nein, maßgeblich sind Kennzahlen, vor allem wirtschaftliche und finanzielle; das ist wie im modernen Agrarbetrieb; die Kühe da sind nicht Resi und Zenzi sondern Nummer X und Nummer Y und sie sind im wesentlichen wert-definiert durch die Milch-Produktionszahlen. Wer meint, dieses System mache beim Menschen eine Ausnahme, der irrt erschreckend und nimmt die Verpackung („demokratie“, „Menschenrechte“, „Gleichheit“, „Grundrechte“) für den Inhalt.

Übrigens: Katalonien war auch in dieser Hinsicht ein überaus deutliches Beispiel. Was die Katalonier wollten, war durch höchstrangiges internationales Recht besichert; dass ein spanisches „Gericht“ sich entblödete, da akut ignorant ein Urteil zu fällen, war bereits eine dreiste Verhöhnung der so gerne und oft und aufdringlich geplapperten Prinzipien. So dreist, dass sogar diverse eu Abgeordnete und, man höre und staune, die (u.a.) deutschen massenmedien sich kritisch äusserten (was zum Teil natürlich auch daran liegt, dass die Lügenprojektion trotz der offensichtlichen Brüche und Risse um jeden Preis aufrecht erhalten werden muss).
Das, internationales Recht, werte-westen Geplapper und Dauerdröhnung, war das Eine. Das andere waren massiv prügelnde brutale „Polizisten“ und ein Regime in madrid, das nicht einmal mehr den mindesten Anschein wahrte.

Nur: Im Kampf willkürliches und völlig künstliches Pseudo-System gegen Natur gewinnt *immer* die Natur. Sämtliche ami Atombomben und „Soldaten“ sind weniger als ein lauer Furz gegen einen Vulkanausbruch. Und, der Vergleich sei mir gestattet, denn er ist hübsch und er liegt nahe: Man kann Atome zwar nicht einmal sehen, aber sie sind es, aus denen die Welt besteht und mit denen die Welt in Form von Atomwaffen auch zerstört werden kann (und deren Naturgesetzmäßigkeiten alles bestimmen). Man täte gut daran, das auch im Zusammenhang mit Menschen zu begreifen. Bei beiden, bei Atomen wie bei Menschen, mögen größenwahnsinnige strangeloves und tavistocks den Eindruck haben, die nach Belieben beherrschen zu können, aber beide haben sehr tief verankerte unberührbare und unbeirrbare Gesetzmäßigkeiten und Kräfte in sich.

Was wir in Katalonien gesehen haben, war eine Erscheinungsform des großen zunehmenden Kampfes auf einer mittleren Ebene. Und was wir auch gesehen haben, ist ein Beispiel dafür, dass selbst das Kompromissangebot der Nationalstaatlichkeit nicht tragfähig ist; auch die Nationalstaaten sind oft bereits zu große und nicht mehr menschengerechte Konstrukte. Was die Menschen wirklich wollen – und was der Natur entspricht – ist die Abkehr von der Perversion der unipolaren Welt in all ihren hässlichen Ausprägungen wie z.B. eu-ropa; das natürliche Modell der menschengerechten Regionen, das einstweilen noch ein verbotener, inakzeptabler Gedanke ist, ist wohin die Entwicklung geht.

Natürlich, auch das zeigt die Geschichte, gibt es Dinge, die für Regionen nicht machbar sind und natürlich müssen Regionen auch brauchbar kommunizieren und interagieren. Kurz, es wird immer auch das Große geben, das „Europa“ z.B. in der einen oder anderen Form, aber in einer gesunden Form.
Wie könnte die aussehen? Russland und andere haben die Antwort bereits gegeben: Die multipolare Welt. Man könnte auch sagen, die Welt, die der Natur und ihren Gesetzen und den Menschen entspricht. Nicht „all die Kleinen als Herde und Beutepfründe der Großen“ sondern „das Große als organische, gesunde Gebilde, geformt aus den Kleineren“.

Ist das alles eine Spinnerei der Russen und ihrer Fans (und eines komischen Russophilus)? Nein, es ist schlicht das, was wir beobachten, was real vor sich geht. Die Regionen in der Welt stemmen sich gegen den (Ex-)Hegemon, dieser selbst kann zunehmende Verwerfungen im eigenen Inneren kaum noch vertuschen, die Mitgliedsländer der eu stemmen sich zunehmend gegen die eu, die ihrerseits immer absurdere Verrenkungen macht, um den offensichtlichen Zerfall zu stoppen oder doch wenigstens zu vertuschen und z.B. die Sachsen stemmen sich gegen das irre, zunehmend offensichtlich grob illegal handelnde und menschenverachtende einheitsparteien Zentralregime in berlin; oder eben auch die Katalonier, die sich gegen das durch und durch korrupte und gröbstens illegal agierende Regime in madrid wehren, die Ungarn und andere, die sich gegen brüssel wehren, usw. usf.

Übrigens, das nur mal als zwei Beispiele für die Klüngelbande in madrid:
Der Ex-Innenminister hat dort, hochwahrscheinlich in Komplizenschaft mit „parlaments“-Ausschüssen, allen Ernstes eine Art Gestapo zur Behinderung, Überwachung usw. der Opposition geschaffen.
Und dieser Tage flog auf, dass eine der größeren „Zeitungen“ dort wirre Behauptungen (die gegen Barcelona gerichtet waren) angeblich aufgrund vertraulicher Geheimdienstinformationen der amis veröffentlicht hat. Das Ganze wurde Stück für Stück zerlegt und am Schluss zeigte sich, dass die angeblichen Dokumente, auf die man sich berief, von den medien-Leuten selbst gebastelt worden waren.
Jenen, die nun grinsen und meinen, bei uns gebe es sowas nicht, möchte ich empfehlen, mal dringend nachzudenken. Im Zweifel stellen die sich hierzulande nur weniger blöde an und fliegen deshalb nicht oder seltener und später auf. Ich erinnere nur mal an Celle…
Und noch etwas ist festzuhalten: Bei uns haben sie nicht geprügelt sondern ungerührt prügeln und Autos anzünden lassen (und die Täter finanziert und unterstützt), aber die Hetzjagd gegen AfD und Pedgida (oder früher gegen die Kommunisten) war nicht weniger schlimm und um nichts weniger bösartig als das, was madrid gegen die Katalonier an Niedertracht bot.

Ich möchte noch zwei Dinge zu Katalonien anmerken. Zum Einen fiel mir auf, wie die katalonischen politiker wieder und wieder aufs Volk einredeten, auf jeden Fall friedlich zu bleiben – und das, als bereits klar war, dass madrid mit roher Gewalt agieren würde. Man mag das als sinnvoll oder sogar nötig ansehen; ich persönlich halte es für verlogen. Man hat damit geradezu garantiert, dass das Referendum jedenfalls belanglos wird und dass die Menschen zuletzt verraten und verprügelt dastehen.
Zum Anderen fiel mir auf, dass die mossa Leute (lokale und durchaus zu harten Einsätzen fähige katalonische Polizei) im wesentlichen nichts taten, um ihre Bürger zu beschützen. Manche argumentieren, die hätten gar nicht gekonnt, da madrid ca. 1000 mehr guardia civil Prügler geschickt hat als es mossa Leute gibt. allerdings halte ich das für äusserst fragwürdig, denn die mossa Leute haben Ortsvorteile und weite Teile der Bevölkerung hinter sich. Nur ein Beispiel: Einige hundert LKWs der Müllabfuhr könnten die guardia civil Prügler *sehr erheblich* behindern und blockieren.

Ich sehe da im wesentlichen zwei denkbare Gründe: Einer ist der, dass madrid gedroht hat, nötigenfalls Militär zu schicken (wobei: die guardia civil *ist* paramilitärisch). Allerdings hätte die katalonische Regierung das veröffentlichen können, was extrem hohen Druck gegen madrid erzeugt (und gewiss auch gewisse katalonische Elemente aufs Spielfeld gebracht) hätte.
Zum anderen – und das halte ich für wahrscheinlicher – kann es sein, dass die wirklich Verarschten die Katalonier selbst sind, weil ihre politiker in Wirklichkeit nur Schach mit ihnen gespielt und mit madrid gezockt haben.
Zur Information: In katalonien gibt es im wesentlichen die auch bei uns gängigen parteien (interessanterweise aber kein AfD Pendant), also deren cdu, spd, grüne, fdp, linke, nur großteils noch mit der einen oder anderen Ausrichtung in der Autonomiefrage. Ich war da von Anfang an misstrauisch und bin kein bisschen erstaunt, dass das wesentliche Ergebnis gedemütigte und verprügelte Bürger sind.

Was nun weiter geschehen wird, interessiert mich ehrlich gesagt relativ wenig, abgesehen von der Bedeutung im größeren Kontext (wie gesagt, nette Onkels sind beide nicht). Was ich aber vermute ist, dass eine erhebliche Erhärtung der Fronten eintreten wird. So rechne ich insbesondere mit erheblichen Hacker-Angriffen auf madrid; die dümmeren werden einfach webseiten lahmlegen, die intelligenteren – und gefährlicheren – allerdings werden in Systeme eindringen und allerlei Informationen absaugen. Soweit ich das in IT Kreisen mitbekomme, gibt es eine recht große Sympathiewelle für Katalonien und als IT Sicherheitschef in madrid hätte ich nun wirklich ernsthaft Sorge.
Ich erwähne das noch aus einem anderen Grund: Der Kampf madrid gegen Katalonien hatte eine erstaunlich große IT Komponente. madrid agierte relativ primitiv und grobschlächtig während Katalonien durchaus kreative und intelligente Ansätze zeigte, wenn die auch unterm Strich nicht viel brachten.
Ein Aspekt allerdings interessiert mich unabhängig vom Ausgang sehr und ich halte ihn für wichtig, nämlich *dass* und die Frage, wie „Cyberkriege“ real geführt werden und vor allem, wie Bürger und Akteure für die neue multipolare Weltordnung sich schützen können (hat auch mit mir als Person zu tun. Hacken hat mich nie sonderlich interessiert, schützen und absichern dagegen sehr).

Abschließend will ich noch einen durchaus wichtigen, interessanten – und für uns ergiebigen – Punkt beleuchten, die Frage nämlich nach dem „Warum?“ aus der Sicht der Regime (madrid, eu-ropa, etc).
Für die geht es wie immer um Macht und um Futtertröge, wobei Letzteres für die Einzelnen wichtiger ist. Das Grundmodell zeigt sich recht deutlich im tatsächlich praktizierten kapitalismus (es gibt, das sei der Fairness halber angemerkt, auch gesündere Formen): Es geht darum, die gierigen Pfoten in Geldströme zu halten und immer ums von unten nach oben, wobei unten die Nutzviecher sind (Steuern, Konsum, Arbeit, etc) und oben die Einsammler und Bündler (und in der Mitte die absahnenden Kleinprofiteure, meist politster). Die politiker sind im wesentlichen die Leute in der Maschinerie; sie dienen denen oben, verkaufen sich aber als Vertreter von unten. Dafür kassieren sie mannigfaltig ab.
Genau das, dieses Wegelagerer und Plünder-Modell, aber macht die neue Weltordnung schwierig und unattraktiv.
Andererseits ist neue Weltordnung ja nicht notwendig gleichbedeutend mit „alle Zockerei und Wegelagerei entfällt“. Sie ist erst mal eine Basis, auf der ein natürlicheres und gesünderes Handeln möglich ist. Das zu erreichen und umzusetzen wird jedenfalls einige Zeit kosten.

Vereinfacht heruntergebrochen könnte man sagen, dass es heute relativ wenige Einheiten, aber mit sehr viel Geld in den Trögen gibt und dass es im neuen Modell viel mehr und kleinere Einheiten geben wird mit jeweils weniger Geld, dafür in erheblich mehr Trögen (aus politster Sicht).
Und damit ist die Bühne gezeichnet und klar, was läuft. Das alte unipolare System wird sich mit Zähnen und Klauen bis zur letzten Sekunde wehren und seine fetten und obendrein eingespielten Tröge verteidigen. Für die meisten politster bedeutet das alte System schlicht mehr Geld und Vorteile im eigenen Trog.

Allerdings – und das ist der Punkt, an dem es interessant wird – gibt es bereits tiefe Risse und größere Verwerfungen im akutellen System. Das führt naturgemäß zu Streitereien und Kämpfen in dem, was mal ein weitgehend geschlossenes System war. So kann z.B. die eu einerseits ums Verrecken keine nach Freiheit strebenden Regionen vertragen (übrigens nicht mal dann, wenn die durchaus stark pro-eu sind. Wesentlicher Grund: Dammbruch Phänomen), muss aber andererseits zur Aufrechterhaltung der Projektion madrid kritisieren, im Grunde übrigens nicht wegen der Missachtung so ziemlich aller heiligen Prinzipien, sondern weil diese Missachtung *offen* geschah; heimlich und im Stillen ist sie völlig alltäglich, gängig und systemimmanent.

Ein anderer Pfahl in den Eingeweiden des aktuellen Systems sind natürlich die „flüchtlinge“, u.a. weil sie geradezu eklatant sichtbar und unübersehbar machen, wie verlogen, ignorant und brutal das ganze Hirnwäsche-System ist. Ein Orban ist da insofern ziemlich unbesiegbar, weil er schlicht ausspricht, was normal und gesund und in den Köpfen (nicht nur) der meisten Ungarn ist.

Die Vorfälle und Vorgänge in Katalonien sind ein Wendepunkt und ein gefährlicher Stachel im System, der noch lange für Schwelbrände und Eiter sorgen wird. Und: Es gibt keinen befriedigenden und akzeptablen Ausgang mehr. madrid kann kaum noch vorwärts oder rückwärts. Was zugleich die Situation in eu-ropa aber auch in deutschland beschreibt, wenn es auch noch notdürftig in Gewändern verhüllt ist, die sauber und hübsch zu halten allerdings immer aufwendiger und schwieriger wird.

Die Frage ist nicht mehr, ob Putins multipolare Weltordnung kommen wird, sondern nur noch wie schnell und mit wievielen Krämpfen im aktuellen System sie kommen wird. Und in was die eu zerbröckeln wird; ob das die heutigen National- und Mitgliedsstaaten sein werden halte ich für fragwürdig. Na ja, mit Sachsen gibt’s ja schon mal einen sehr brauchbaren Kern für einen kraftvollen deutschen (Teil-)staat. Und: Lernt aus Katalonien, liebe Sachsen (und Bayern und …) und macht eure IT winterfest!

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Update – in eigener Sache: Das neue Behelfssystem für all unsere Leser, die nicht oder nur schwer oder langsam hierher kommen, ist fertig. Die Beschreibung habe ich sinnvollerweise etwas weiter unten hier (statt im schon großen vorherigen thread) eingestellt. – Igor